Die aramäischen Papyri aus Galerie C

von Alexander Schütze

1939 wurden während Sami Gabras Ausgrabungen in den Tiergalerien acht aramäische Papyri in einem Gefäß aus Galerie C gefunden. Die Dokumente, die sich heute im Archaeological Museum der Cairo University befinden, wurden 1966 von Edda Bresciani und Murad Kamil veröffentlicht. Die aramäischen Papyri werden aufgrund der Paläographie in das späte sechste oder frühe fünfte Jahrhundert v. Chr. datiert.

Die Papyri bestehen ausschließlich aus Privatbriefen. Die meisten Briefe wurden im Namen der Halbbrüder Makkibanit, Sohn des Psami, und Nabuschezib, Sohn des Petechnum, an verschiedene Familienmitglieder verfasst. Sie beinhalten vor allem Anfragen nach Wolle, Holz, Häuten und Rizinusöl. In einem Brief beklagt sich Nabuschezib, dass sich niemand nach ihm erkundigt habe, nachdem er von einer Schlange gebissen worden war.

Obwohl die Papyri in der Tiernekropole gefunden wurden, war Tuna el-Gebel nicht ihr ursprüngliches Ziel. Tatsächlich waren die Briefe nach Theben und Syene adressiert. In den Grußformeln der Briefe, die nach Syene adressiert wurden, werden Gottheiten wie Bethel, Malkat Schemain, Banit und Nabu genannt, d. h. dass es im späten sechsten oder fünften Jahrhundert v. Chr. in Syene Heiligtümer für diese vorderorientalischen Gottheiten gegeben haben muss. Durch zahlreiche aramäische Papyri und Ostraka, die in Elephantine gefunden wurden, ist bekannt, dass es im fünften Jahrhundert v. Chr., als Ägypten eine Provinz des Perserreiches gewesen ist, in Syene/Elephantine an der Südgrenze Ägyptens eine Garnison gegeben hat, die aus fremden Soldaten bestand.

Da in den Grußformeln fast aller Briefe auch der ägyptische Gott Ptah genannt wird, wurden sie höchstwahrscheinlich in Memphis verfasst. Die Hauptstadt des Alten Ägypten wird in einem Brief tatsächlich genannt. Wahrscheinlich waren Makkibanit und Nabuschezib Soldaten aus Syene/Elephantine, die sich zeitweilig oder dauerhaft in Memphis aufhielten.

Siehe auch: http://www.trismegistos.org/arch/archives/pdf/451.pdf

Editionen:

  • E. Bresciani / M. Kamil, Le lettere aramaiche di Hermopoli, Atti della Academia Nazionale dei Lincei, Memorie della classe di science morali, storiche e filologiche, série VIII, vol. XII, Rom 1966, 356-428.
  • B. Porten / A. Yardeni, Textbook of Aramaic Documents from Ancient Egypt, Vol. 1, Winona Lake 1986, 9-23 (A 2.1-7).
  • B. Porten / A. Yardeni, Textbook of Aramaic Documents from Ancient Egypt, Vol. 4, Winona Lake 1999, 16-17 (D 1.1).

Literatur:

  • S. Gabra, Lettres araméennes trouvées à Touna el Gebel Hermoupolis ouest, in: Bulletin de l’Institut d’Égypte 28 (1945-1946), 161-162.
  • J. T. Milik, Les papyrus araméens d’Hermopolis et les cultes syro-phéniciens en Egypte perse, in: Biblica 48 (1967), 546–622.
  • B. Porten, J. C. Greenfield, The Aramaic Papyri from Hermopolis, in: Zeitschrift für die alttestamentliche Wissenschaft 80 (1968), 216-231.
  • E. Hammershaimb, Some Remarks on the Aramaic Letters from Hermopolis, in: Vetus Testamentum 18 (1968), 265-267.
  • B. Porten, The Religion of the Jews of Elephantine in Light of the Hermopolis Papyri, in: Journal of Near Eastern Studies 28 (1969), 116-121.
  • J. Naveh, The Development of Aramaic Script, Jerusalem 1971, 16-18.
  • J. Naveh, The Palaeography of the Hermopolis Papyri, in: Israel Oriental Studies 1 (1971), 120-122.
  • J. C. Greenfield, The Dialects of Early Aramaic, in: Journal of Near Eastern Studies 37 (1978), 93-99.