Projektbeschreibung

Seit 1989 erschließt ein Kooperationsprojekt des Institutes für Ägyptologie der Ludwig-Maximilians-Universität München und der Faculty of Archaeology der Cairo University unter der Leitung von Prof. Dr. Dieter Kessler die unterirdische Tiernekropole und die dazu gehörigen Kult- und Verwaltungsbauten sowie den nördlichen Teil der griechisch-römischen Nekropole.

Projektphase I

Die Untersuchungen der Joint Mission begannen in den ausgedehnten und verzweigten unterirdischen Tiergalerien, die ab der Saitenzeit angelegt und bis in die Römerzeit mit den Überresten heiliger Tiere gefüllt wurden. Die Hauptgänge, ihre Nebenarme sowie mit Szenen dekorierte Kammern boten Millionen von Tiermumien in bauchigen Tongefäßen und Holzsärgen Platz. Vor allem deifizierte Ibisse und Paviane wurden in den Wandnischen und Gängen bestattet. Die Anlage kann als Ibiotapheion (Bestattungsplatz des Ibis und anderer Tiere) bezeichnet werden. In den Hauptgängen wurden zudem kleine Kultstellen vor Wandnischen mit Verschlussplatten, Treppen und Opferständern angelegt. Die archäologischen Arbeiten in den Tiergalerien wurden im Jahre 2004 beendet und umfassten die Aufnahmen ausgesuchter Gänge und unterirdischer Kultkammern sowie zooarchäologische Untersuchungen der Tiermumien.

Über dem Tierfriedhof liegen die Reste des Tempels des Gottes Osiris-Pavian, der in den Jahren 1989 bis 1992 erneut freigelegt und bearbeitet wurde. Der Tempel wurde im Zusammenhang mit der Errichtung eines neuen Eingangs in die Tiergalerien unter dem Satrapen Ptolemaios im Namen Alexanders IV. um 310 v. Chr. erbaut. Südlich des Tempels des Osiris-Pavian liegt ein längliches, heute stark zerfallenes Lehmziegelgebäude, das in den Jahren 1993 bis 1994 erneut aufgenommen wurde. Das so genannte Priesterhaus ist ein Wohnhaus mit Kultstelle des Pastophoren und Schreibstelle, wo sicher der am Tempel tätige Priester der Ibis-Gemeinschaft von Tuna el-Gebel mit seiner Familie gelebt hat.

Projektphase II

Seit dem Jahre 2002 konzentrieren sich die Ausgrabungen auf ein Nekropolen- und Verwaltungsgebiet, das sich nördlich des Grabes von Petosiris und östlich des Tierfriedhofes befindet. Bislang wurde der flache und von Grabräuberlöchern übersäte nördliche Nekropolenabschnitt nicht wissenschaftlich untersucht. Satellitenbilder ermöglichten eine detaillierte Aufsicht auf dieses Gebiet: Große Lehmziegel- und Steinbauten reihen sich entlang einer nördlichen und südlichen Achse, die als Prozessionsstraßen zu deuten sind und die Tiergalerien sowie den Tempel des Osiris-Pavian mit dem antiken Siedlungsareal auf dem Kom el-Loli am westlichen Wüstenrand verbanden. Die Entdeckung eines großen ptolemäerzeitlichen Steingrabes und römerzeitlicher Nachbestattungen ca. 350 m nördlich des Grabes des Petosiris durch ein ägyptisches Grabungsteam im Frühjahr 2008 verdeutlicht die ursprüngliche Ausdehnung und Bedeutung der griechisch-römischen Nekropole. Von den zahlreichen Gebäuden, die sich entlang der beiden Prozessionsstraßen ca. 200 m nördlich des Grabes des Petosiris befanden, wurden bislang fünf ptolemäerzeitliche Verwaltungsbauten freigelegt. Die Verwaltungsgebäude, die zum Teil integrierte Kultstellen aufweisen, dienten vor allem der Versorgung der vielen neu angelegten Liturgiestellen im Tierfriedhof und Tempelbezirk.

Im Jahre 2004 wurde an der südlichen Prozessionsstraße ein aus mehreren Gräbern bestehender Komplex entdeckt, der in den folgenden Kampagnen teilweise ausgegraben wurde. Die ursprüngliche Grabanlage (TG2004.G2), bestehend aus Dromos, Altar, Pronaos, Kapelle und unterirdischen Grabkammern, datiert in die Ptolemäerzeit und wurde später von römerzeitlichen Grabbauten aus Lehmziegeln eingesäumt.

Ziel ist es, die kultische und wirtschaftliche Verbindung zwischen den Anlagen des Tierfriedhofs und den Verwaltungsbauten sowie den Gräbern zu erarbeiten.

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