Tuna el-Gebel

Tuna el-Gebel ist die moderne Bezeichnung für die Nekropole des antiken Hermupolis Magna (externer Link zu: Das wissenschaftliche Bibellexikon im Internet WiBiLex), dem heutigen el-Aschmunein, in Mittelägypten. Der Friedhof erstreckt sich über mehrere Kilometer am westlichen Rand des Niltals. Die ersten archäologischen Hinterlassenschaften reichen bis in das Neue Reich (ca. 1340–1324 v. Chr.) zurück. Neben einigen Gräbern sind vor allem zwei monumentale, in den Fels gehauene Stelen bekannt, die das Gebiet der von Pharao Echnaton auf dem Ostufer neu gegründeten Hauptstadt (heute bei Tell el-Amarna) im Westen begrenzten.

Südliche Grenzstele des Echnaton in Tuna el-Gebel

Seit der Spätzeit (664-332 v. Chr.) bis in die römische Zeit hinein wurden Tiermumien in unterirdischen Gängen abgelegt. Diese Tiernekropole wurde insbesondere in der frühen Ptolemäerzeit substanziell erweitert. Zu den unterirdischen Galerien gehörten auch oberirdische Kultbauten wie der Tempel des Urgottes Thot sowie der Tempel des Osiris-Pavian. An die Kultbauten schloss sich auch ein ausgedehnter Friedhof für die Bestattung von Menschen an. Unter den zahlreichen ptolemäischen Stein- und römischen Lehmziegelgräbern befindet sich auch das berühmte Grab des Petosiris, eines bedeutenden Kultführers am Anfang der Ptolemäerzeit.

Grab des Petosiris im südl. Nekropolengebiet

Bereits Carl-Richard Lepsius hatte während der Ägypten-Expedition (1842-46) Tuna el-Gebel besucht und einige Gräber und die Grenzstelen Echnatons beschrieben. 1902/03 unternahm das Institut francais d’archéologie orientale unter der Leitung von André Gombert erste Grabungen in Tuna el-Gebel. Walter Honroth untersuchte 1913 im Rahmen der Amarna-Mission der Deutschen Orient-Gesellschaft die römerzeitlichen Grabbauten des Friedhofes. 1920 legte der Inspektor des ägyptischen Service des Antiquités, Gustave Lefebvre, das berühmte Grab des Petosiris frei. Sami Gabra grub für die Cairo University zwischen 1931 und 1952 die griechisch-römische Nekropole sowie einen Teil der unterirdischen Galerien aus. Günter Grimm und Dieter Johannes nahmen 1972 und 1974 für das Deutsche Archäologische Institut die Grabbauten der griechisch-römischen Nekropole auf.

südlicher Bereich der griechisch-römischen Nekropole mit dem Tempel des Thot

Seit 1989 erschließt ein Kooperationsprojekt des Institutes für Ägyptologie der Ludwig-Maximilians-Universität München und der Faculty of Archaeology der Cairo University unter der Leitung von Prof. Dr. Dieter Kessler die unterirdische Tiernekropole und die dazu gehörigen Kult- und Verwaltungsbauten sowie den nördlichen Teil der griechisch-römischen Nekropole.